Leichenbitter

Definition: Bis ins 19. Jahrhundert hinein ein öffentliches Amt. Der Leich(en)bitter hatte die Todesnachricht zu überbringen und zum Leichenbegängnis einzuladen. Er ging von Haus zu Haus, oder nach einer ihm aufgegebenen Adressenliste, um im Namen der Hinterlassenen "zur Leiche zu bitten". Das tat er, indem er vor der aufgesperrten Tür oder vor dem geöffneten Fenster ohne namentliche Anrede seinen Spruch aufsagte. Es gehörte sich nicht, ihn hinein zu bitten oder hereinzulassen. Für die Todesnachricht, erhielt er eine Münze zugeworfen oder ein Stück Brot in die Hand gegeben. Er ging beim Begräbnis am Ende des Trauergefolges mit, entrichtete die Gebühren an den Pfarrer, bezahlte das Geläute. Später verabschiedete er die Gäste des Trauermahls und bedankte sich für ihre Teilnahme an der Beerdigung im Namen der Hinterbliebenen. Sie galten wegen ihres Umgangs mit dem Toten als kultisch unrein und wurden als "unehrlicher Berufe" angesehen
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