Leibarzt

Definition: Mediziner, der im Dienste einer hochgestellten Persönlichkeit, beispielsweise eines Politikers, Königs, Präsidenten, Papstes oder Fürsten, steht. Er ist für das Wohl seines Patienten verantwortlich und in der Regel dazu verpflichtet, für diesen rund um die Uhr erreichbar zu sein. Die Stellung des Leibarztes war nicht immer gleich. Sie durchlief vielmehr alle Stufen der Gesellschaftsordnung: vom Sklaven eines römischen Herrschers bis zum Freund eines mittelalterlichen Kaisers oder zum Geliebten einer Königin. Nicht immer war der Leibarzt ein den Durchschnitt überragender Vertreter seines Berufsstandes, immer genoss er aber eine besondere Vertrauensstellung, die weit über die medizinische Betreuung des hohen Patienten hinausging. An den meisten Fürstenhäusern gehörte der Leibarzt dem Hofstaat an. Zu der selbstverständlichen Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit kam im Altertum und im Mittelalter häufig auch noch die Verantwortung für Speise und Trank. Auch hatte der Leibarzt seinen Herrn auf Reisen zu begleiten. Jede erfolgreiche Behandlung des hohen Patienten hob sein Ansehen und füllte meist auch seinen Geldbeutel. Bei Misserfolgen konnte aber leicht das Gegenteil eintreten: Entlassung, Verbannung, Kerker oder gar die Todesstrafe waren in früheren Zeiten die möglichen Folgen verlorener Gunst.
Quelle: